zuletzt aktualisiert am 30. 5. 2010

Vielfache Kontakte und
Kooperationen auf allen Ebenen kennzeichneten das freundschaftliche
Verhältnis zwischen den Briten und ihren Gastgebern in Weeze sowie den angrenzenden
Kommunen. Mit rund 600 deutschen Zivilangestellten
zur besten Zeit war die RAF-Laarbruch nach eigenen Angaben (auf der inzwischen
abgeschalteten Homepage der RAF Laarbruch) der größte
Arbeitgeber im Umkreis von 40 km. Etwa 100 Mio. DM an Kaufkraft flossen
nach Angaben der RAF Laarbruch Ende der 90er Jahre in die regionale Volkswirtschaft.
Die damalige Weezer Bürgermeisterin Barbara Naus nennt (im Weezer Jahrbuch 2009)
die Summe von 200 Mio. DM.
Mit dem Zusammenbruch
des Warschauer Paktes begann der Abzug der RAF aus Deutschland.
Zunächst wurden die britischen Flugplätze Gütersloh und
Wildenrath geschlossen. 1994 fiel die Entscheidung, auch den RAF-Standort Weeze
zu schließen. Die Gemeinde Weeze richtete zwar eine Petition an das britische
Unterhaus, die RAF nicht abzuziehen, doch der Entschluss stand fest: Laarbruch
wird geschlossen. Das Personal auf Laarbruch wurde nun schrittweise reduziert.
Im Mai 1999 verließen die letzten Jets den Flughafen. Am 30. November 1999 wurde
das Gelände von der RAF an die deutschen Behörden übergeben. Viele Briten waren
allerdings am Niederrhein heimisch geworden und blieben als Zivilisten in der
Region.
Seit dem Jahr 2007
existiert auf dem Gelände des Flughafens ein Museum, das die Geschichte des
britischen Militärflughafens RAF Laarbruch (1954-1999) dokumentiert.

Nach einem "Dornröschenschlaf" von rund zwei Jahren kaufte eine niederländische Investorengruppe um den Logistik-Unternehmer Heinz Van de Lande das Gelände im Jahre 2001 vom Kreis Kleve. Der Kaufpreis betrug 22 Mio. DM. Anschließend begann der Umbau des Militärflugplatzes zum zivilen "Airport Niederrhein". Am 1. Mai 2003 fand die Wiederaufnahme des Flugbetriebes durch die irische Gesellschaft "Ryanair" statt; passender Weise ging diese erste regelmäßige Verbindung nach England. Die seit Herbst 2003 in Weeze beheimatete neue Fluglinie "VBird" startete mit großem Elan, konnte sich aber trotz zuletzt guter Nutzerzahlen nicht behaupten und ging im Oktober 2004 in Insolvenz. Auf dem "Flughafen Niederrhein", der nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten um einen alternativen Namen ("Düsseldorf-Weeze", "Düsseldorf Prefecture Weeze") seither als "Airport Weeze" bezeichnet wird, wurde es wieder recht still. Lediglich Ryanair bediente noch einige wenige Strecken ab Weeze (London, Glasgow). Im Jahre 2005 kamen einige neue Destinationen hinzu (Rom, Girona). Im Herbst 2005 gab der damals größte Ferienflieger des Landes, "Hapagfly" (später in "TUIfly" umbenannt und heute von Air Berlin übernommen), seinen Einstieg in Weeze bekannt. Ferner wollte "Hamburg International" von Laarbruch starten. Ein Run auf die Tickets setzte ein.
Am 3.1.2006 entzog das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes NRW in Münster dem Flughafen jedoch völlig überraschend die flugrechtliche Genehmigung und versetzte dem Airport nach der VBird-Pleite den nächsten schweren Schlag. Nur einen Rechts-Beschwerde und die damit verbundene aufschiebende Wirkung gegen das Urteil verhinderte die Rechtswirksamkeit und eine drohende Schließung des Flughafens, dessen Existenz nun am "seidenen Faden" hing. "TUIfly" und "Hamburg International" nahmen daher ihren Einstieg in Weeze zurück. Auch einige andere Airlines (insbesondere Charter-Anbieter) zogen sich zurück. Lediglich Ryanair flog weiter regelmäßig ab Weeze. Die klagenden Flughafengegner waren überzeugt, ihrem Ziel, der endgültigen Schließung des Flughafens, sehr nahe gekommen zu sein. Die Stimmung der Mitarbeiter und Flughafenfreunde war auf dem Tiefpunkt; man rechnete mit dem Schlimmsten. Heftige Proteste, Petitionen und Aufrufe der Belegschaft folgten dem Urteil, unterstützt von den Airport-freundlichen Parteien CDU, SPD und FDP. Eine spontan organisierte Unterschriftenaktion der Flughafenfeuerwehr und der Aktionsgemeinschaft "pro:niederrhein" brachte innerhalb weniger Tage fast 20.000 Unterschriften zusammen und signalisierte der Politik, dass die Bevölkerung der Region mehrheitlich hinter der Weiterführung des Projektes steht. Die erfolgreiche Unterschriftenaktion war so beeindruckend, dass die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Behörde sogar in der überarbeiteten Betriebsgenehmigung darauf Bezug genommen hat.
Im Februar 2007 kam die überraschende Wende: Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig gab zunächst der Rechts-Beschwerde statt und begann mit der eingehenden Prüfung des Münsteraner Urteils. Am 16. Oktober 2008 verwarf das Bundesverwaltungsgericht das Urteil der Vorinstanz schließlich, gab das Verfahren aber zur Neuverhandlung an das OVG Münster zurück, verbunden mit der nur mäßig verklausulierten Mahnung, zu "prüfen", ob die Mängel der flugrechtlichen Genehmigung durch eine "ergänzende Regelung" behoben werden können. Das Verfahren wurde deswegen in Münster wieder neu aufgerollt, und die Bezirksregierung und der Airport hatten nun die Möglichkeit, die vom OVG benannten Mängel der Genehmigung nachträglich zu beheben (s. u.). Die Neuauflage des Gerichtsverfahrens vor dem OVG stand seither unter einem "guten Stern".
Im Frühjahr 2009 überschlugen sich die Ereignisse noch einmal. Zunächst signalisierte das OVG, dass es eine Einschränkung der Betriebszeiten erwartet. Dem entsprach die Bezirksregierung mit einer kurzfristigen Anordnung zur Reduzierung der Flugzeiten (05.30 Uhr bis 23.30/24.00 Uhr). Da dies jedoch nicht mit der Veröffentlichung einer überarbeiteten Betriebsgenehmigung einher ging, reagierte das Gericht mit einer einstweiligen Anordnung, der zu Folge die Betriebszeiten noch stärker reduziert werden mussten (06.00-22.00/23.00 Uhr). Ryanair drohte daraufhin, die Basis in Weeze zu schließen. Erneut machten sich Sorgen breit, der Flughafen könne juristisch in die Knie gezwungen werden. Mitarbeiter und Freunde des Airports machten erneut mobil. Einen Tag vor Inkrafttreten der Anordnung des OVG legte die Bezirksregierung Düsseldorf am 1. Mai 2009 jedoch die lange erwartete geänderte Betriebsgenehmigung vor. Dadurch wurde die Anordnung des Gerichts in buchstäblich letzter Minute hinfällig. Die überarbeitete Betriebsgenehmigung kompensiert die Mängel der beanstandeten ursprünglichen Genehmigung und orientiert sich strikt an den Vorgaben des Bundesverwaltungsgerichts. Flüge dürfen seither nur noch zwischen 06.00 und 22.00 Uhr uneingeschränkt durchgeführt werden. Maschinen von Airlines, die in Weeze eine Basis haben, dürfen abweichend davon noch bis 23.00 starten und bis 23.30 Uhr landen, bei Verspätung bis 24.00 Uhr. Ausnahmen für Landungen nach 24.00 Uhr sind seither, wie an anderen Flughäfen, nur mit Sondergenehmigung möglich, die schriftlich eingereicht und begründet sein muss. Ryanair verkündete nach dieser neuen Wende den Verbleib in Weeze.
Mit der Einschränkungen der Betriebszeiten wurde der Weg zu einer außergerichtlichen Einigung geebnet. Wegen der strikten Orientierung an dem richtungsweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Oktober 2008 mussten auch die letzten Flughafengegner davon ausgehen, dass die am 1. Mai 2009 vorgelegte neue Betriebsgenehmigung vor dem OVG in Münster Bestand haben würde; der Einigungsdruck war entsprechend hoch. Der erste Vergleich konnte noch im Mai 2009 mit 5 von 10 Klägern erzielt wurde; nach eigener Aussage handelt es sich dabei um die "Schwerstgeschädigten", da sie in der geringsten Entfernung zum Flughafen wohnen. Gegen erhebliche finanzielle Abfindung stiegen diese Kläger aus dem Verfahren aus; damit verlor der Verein der Flughafengegner die Speerspitze der Bewegung. Auch die verbliebenen Hardliner im Verein "Stopp-Laarbruch" zeigten danach Gesprächsbereitschaft. Am 13. August einigten sich die verbliebenen Kläger aus dem Umfeld des Vereins "Stopp-Laarbruch" mit dem Flughafen. Gegen eine Entschädigung von 5000,- € pro betroffenem Vereinsmitglied wurde die Klage zurückgezogen. Durch eine außergerichtliche Einigung mit der letzten Klägerin, der Gemeinde Bergen (NL), hat die juristische Auseinandersetzung um die Betriebsgenehmigung des Flughafens im Mai 2010 schließlich ihr Ende gefunden. Die Bürgerinnen und Bürger der niederländischen Nachbargemeinde bekommen vom Flughafen wirksamen Lärmschutz finanziert. Dies betrifft 1300 Häuser.
Nicht zuletzt aufgrund der seit 2007 deutlich besseren Rechtslage (Zulassung der Revision) dürfte die irische Fluggesellschaft Ryanair im Februar 2007 bekannt gegeben haben, Weeze zu ihrer dritten Basis in Deutschland auszubauen. Im Juni 2007 hat die irische Fluglinie die ersten zwei Maschinen auf Laarbruch stationiert, weitere zwei folgten im Oktober 2007. Im Juli 2008 wurde die Aufstockung der Ryanair-Basis Weeze auf insgesamt 6 Jets bekannt gegeben. Eine Reihe neuer Ziele wird damit angeflogen. Inzwischen wurde die 7. Ryanair-Maschine in Weeze stationiert. Eine weitere folgte während der Sommersaison 2009. Ryanair wird mit den in Weeze beheimateten Maschinen im Jahre 2009 weit über 2 Mio. Passagiere/Jahr befördern und sein Engagement weiter ausbauen. Im Frühjahr 2009 konnte sich der Flughafen Weeze im Hinblick auf die Zahl der beförderten Passagiere auf Platz Nr. 3 in NRW vorschieben (vor den Flughäfen Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt). 2009 ist Weeze der einzige Flughafen in Deutschland, der noch nennenswertes Wachstum aufzuweisen hat; das Passagieraufkommen wird 2009 um ca. 50 Prozent wachsen, und Weeze erreichte im Mai 2009 bereits Platz 13 unter den Flughäfen in ganz Deutschland.
Inzwischen haben auch andere Fluggesellschaften ihr Engagement ab Weeze bekannt gegeben, darunter auch solche, die Frachtflug betreiben. Während den Ankündigungen im Bereich Frachtflug selten Taten folgten und sich keine dauerhafte Verbindung etablieren konnte, boomt das Chartergeschäft umso mehr. Im Sommer 2007 startete der Charter-Carrier "Hamburg International" (HHI) eine Verbindung nach Erbil/Irak. Ab 2008 verstärkte "Hamburg International" sein Engagement durch eine regelmäßige Verbindung nach Mallorca und weitere Strecken. Seit Mai 2009 hat HHI sogar eine Maschine des Typs A 319 in Weeze stationiert, womit der Flughafen seinen zweiten "Home Carrier" begrüßen konnte. HHI fliegt seither zahlreiche Ziele in Europa und angrenzende Länder an, darunter Griechenland, Türkei und Ägypten.
Im November 2009 wurde die Stationierung eines weiteren Ferienfliegers verkündet. XL-Airways soll ab Sommer 2010 eine Reihe neuer Ziele für den Veranstalter "sunweb.de" ab Weeze anfliegen. Damit etabliert sich der dritte "Home-Carrier" in Weeze. Das bedeutet, dass eine solche Airline mindestens einen ihrer Jets von Weeze aus operieren und am Niederrhein übernachten lässt; in der Nacht (zwischen 24.00 und 6.00 Uhr) werden die üblichen Wartungsarbeiten durchgeführt, so dass diese "Base-Carrier" auch technisches Personal vorhalten müssen. Solche Fluggesellschaften haben das Recht, den Airport auch in der Zeit zwischen 22.00 und 24.00 Uhr anzufliegen. Zur Zeit sind dies Ryanair, Hamburg International und ab 2010 auch XL-Airways. Andere Gesellschaften dürfen Weeze nur zwischen 6.00 und 22.00 Uhr anfliegen.
Darüber hinaus wächst auch das Charter-Angebot anderer Airlines, die keine Home-Base in Weeze betreiben. Ein halbes Dutzend solcher "Ferienflieger" ist inzwischen in Weeze aktiv. Immer mehr Urlaubsveranstalter etablieren Verbindungen nach Weeze. Wegen der "Ecotax" in den Niederlanden (seit Juli 2008) und guter Rahmenbedingungen wurden immer mehr Strecken aus dem Nachbarland nach Weeze verlegt. Nicht zuletzt die massive Abwanderung niederländischer Fluggäste nach Weeze führte 2009 zur Aufhebung der "Eco-Tax" in den Niederlanden; die Zahl der niederländischen Fluggäste blieb jedoch unverändert hoch (über 50 Prozent aller Fluggäste). Weitere Fluggesellschaften dürften sich für Weeze interessieren, sobald endgültige Rechtssicherheit herrscht (Näheres dazu im Forum, in der "Presseschau" und unter "News").
Ein weiterer wichtiger Stützpfeiler des Flughafens Weeze ist die inzwischen überaus erfolgreiche Ansiedlung mehr oder weniger "flughafenaffiner" Betriebe auf dem Airport-Gelände. Viele der lange leer stehenden Gebäude aus Zeiten der Royal Air Force sind inzwischen renoviert und wieder in Nutzung. Die Gewerbeansiedlung ist eine Erfolgsgeschichte des Flughafens, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt geblieben ist, inzwischen aber wesentlich zum Gesamtergebnis des Projektes beiträgt.
Weitere Links zur Geschichte des Flughafens Weeze:
Eine schöne Zusammenfassung der Geschichte der RAF Laarbruch, reich
bebildert und kommentiert, findet sich auf der Website unserer
niederländischen Partner:
Niederrhein Aviation Society
Die Geschichte der RAF Laarbruch wird seit der Eröffnung im Jahre 2007 in einem Museum auf dem
Airportgelände dokumentiert. Die Website des Museums findet sich hier:
Royal Air Force Museum
Laarbruch - Weeze