zuletzt aktualisiert am 26.10.2008

Vielfache Kontakte und
Kooperationen auf allen Ebenen kennzeichneten das freundschaftliche
Verhältnis zwischen den Briten und ihren Gastgebern in Weeze und
den angrenzenden Gemeinden. Mit rund 600 deutschen Zivilangestellten
war die RAF-Laarbruch nach eigenen Angaben der größte
Arbeitgeber im Umkreis von 40 km. Etwa 100 Mio. DM an Kaufkraft flossen
in die regionale Volkswirtschaft.
Mit dem Zusammenbruch
des Warschauer Paktes begann der Abzug der RAF aus Deutschland.
Zunächst wurden die britischen Flugplätze Gütersloh und
Wildenrath geschlossen. 1994 fiel die Entscheidung, auch den
RAF-Standort Weeze zu schließen. Die Gemeinde Weeze richtete
zwar
eine Petition an das britische Unterhaus, die RAF nicht abzuziehen,
doch der Entschluss stand fest: Laarbruch wird geschlossen. Das
Personal auf Laarbruch wurde nun schrittweise reduziert. Im Mai 1999
verließen die letzten Jets den Flughafen. Am 30. November
1999 wurde das Gelände von der RAF an die deutschen
Behörden übergeben. Viele Briten waren allerdings am
Niederrhein heimisch geworden und blieben als Zivilisten in der Region.
Seit dem Jahr 2007
existiert auf dem Gelände des Flughafens ein Museum, das die Geschichte des
britischen Militärflughafens Laarbruch (1953-1999) dokumentiert.

Nach einem "Dornröschenschlaf" von rund zwei Jahren kaufte eine niederländische Investorengruppe um den Logistik-Unternehmer Heinz Van de Lande das Gelände vom Kreis Kleve. Der Kaufpreis betrug 22 Mio. DM. Anschließend begann der Umbau des Militärflugplatzes zum zivilen "Airport Niederrhein". Am 1. Mai 2003 fand die Wiederaufnahme des Flugbetriebes durch die irische Gesellschaft "Ryanair" statt; passender Weise ging diese erste regelmäßige Verbindung nach England. Die seit Herbst 2003 in Weeze beheimatete neue Fluglinie "VBird" startete mit großem Elan, konnte sich aber trotz zuletzt guter Nutzerzahlen nicht behaupten und ging im Oktober 2004 in Insolvenz. Auf dem "Flughafen Niederrhein", der nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten um einen alternativen Namen ("Düsseldorf-Weeze", "Düsseldorf Prefecture Weeze") seither als "Airport Weeze" bezeichnet wird, wurde es wieder recht still. Lediglich Ryanair bediente noch einige wenige Strecken ab Weeze (London, Glasgow). Im Jahre 2005 kamen einige neue Destinationen hinzu (Rom, Girona). Im Herbst 2005 gab der größte Ferienflieger des Landes, "Hapagfly" (heute in "TUIfly" umbenannt), seinen Einstieg in Weeze bekannt. Ferner wollte "Hamburg International" von Laarbruch starten. Ein Run auf die Tickets setzte ein.
Am 3.1.2006 entzog das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes NRW in Münster dem Flughafen überraschend die flugrechtliche Genehmigung und versetzte dem Airport nach der VBird-Pleite den nächsten schweren Schlag. Nur einen Rechts-Beschwerde und die damit verbundene aufschiebende Wirkung gegen das Urteil verhinderte die Rechtswirksamkeit und eine drohende Schließung des Flughafens, dessen Existenz nun am "seidenen Faden" hing. "TUIfly" und "Hamburg International" nahmen daher ihren Einstig in Weeze zurück. Auch einige andere Airlines (insbes. Charter) zogen sich zurück. Lediglich Ryanair flog weiter regelmäßig ab Weeze. Die klagenden Flughafengegner waren überzeugt, ihrem Ziel, der endgültigen Schließung des Flughafens, sehr nahe gekommen zu sein.
Im Februar 2007 kam die überraschende Wende: Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig gab zunächst der Rechts-Beschwerde statt und begann mit der eingehenden Prüfung des Münsteraner Urteils. Am 16. Oktober 2008 verwarf das Bundesverwaltungsgericht das Urteil der Vorinstanz schließlich, gab das Verfahren aber zur Neuverhandlung an das OVG Münster zurück, verbunden mit der nur mäßig verklausulierten Mahnung, zu prüfen, ob die Mängel der flugrechtlichen Genehmigung durch eine "ergänzende Regelung" behoben werden können. Das Verfahren wird deswegen in Münster wieder neu aufgerollt, und die Bezirksregierung und der Airport haben nun die Möglichkeit, die vom OVG benannten Mängel der Genehmigung nachträglich zu beheben. Die Neuauflage des Gerichtsverfahrens vor dem OVG steht somit unter einem "guten Stern". Mit einem Urteil der Münsteraner Richter wird jedoch nicht vor dem Jahr 2010 gerechnet. Da deren Entscheidung wieder vor dem Bundesverwaltungsgericht in die Revision gehen könnte, besteht auf absehbare Zeit allerdings weiter keine völlige Rechtssicherheit. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Fortführung des Flugbetriebes während des Verfahrens jedoch ausdrücklich erlaubt und damit klar gemacht, wo die Prioritäten der obersten (und am Ende Ausschlag gebenden) Instanz liegen. Somit geht der Betrieb uneingeschränkt weiter, und es ist nun extrem unwahrscheinlich, dass es nochmals zu einer Aufhebung des flugrechtlichen Genehmigung durch das OVG kommen wird wie 2006. Vielmehr rechnen alle Beteiligten mit Einschränkungen der Betriebszeiten.
Nicht zuletzt aufgrund dieser deutlich verbesserten - wenn auch nicht endgültigen - Rechtssicherheit dürfte die irische Fluggesellschaft Ryanair im Februar 2007 bekannt gegeben haben, Weeze zu ihrer dritten Basis in Deutschland auszubauen. Seit Juni 2007 hat die erfolgreiche Fluglinie zwei Maschinen auf Laarbruch stationiert, weitere zwei folgten im Oktober 2007. Im Juli 2008 wurde die Aufstockung der Ryanair-Basis Weeze auf insgesamt 6 Jets bekannt gegeben. Eine Reihe neuer Ziele wird damit angeflogen. Ryanair dürfte mit den in Weeze beheimateten Maschinen ab 2009 weit über 1,5 Mio. Passagiere/Jahr befördern und sein Engagement in Weeze weiter ausbauen. Für 2009 zeigt sich die Leitung des Flughafens Weeze überzeugt, im Hinblick auf die Zahl der beförderten Passagiere zur Nr. 3 in NRW aufzusteigen (vor den Flughäfen Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt).
Inzwischen haben auch andere Fluggesellschaften ihr Engagement ab Weeze bekannt gegeben, darunter auch solche, die Frachtflug betreiben. Im Sommer 2007 startete der Charter-Carrier "Hamburg International" (HHI) eine Verbindung nach Erbil/Irak. Ab 2008 verstärkt "Hamburg International" sein Engagement durch eine regelmäßige Verbindung nach Mallorca und hat bereits angekündigt, demnächst weitere Ziele ab Weeze anzufliegen, darunter solche in Griechenland, Ägypten und Spanien (ab 2009). Ab Mai 2009 stationiert HHI sogar eine Maschine des Typs A 319 in Weeze, womit der Flughafen seinen zweiten "Home Carrier" begrüßen kann.
Darüber hinaus wächst auch das Charter-Angebot anderer Airlines kontinuierlich. Ein halbes Dutzend solcher "Ferienflieger" ist inzwischen in Weeze aktiv. Immer mehr Urlaubsveranstalter etablieren Verbindungen nach Weeze. Wegen der neuen "Ecotax" in den Niederlanden (seit Juli 2008) und guter Rahmenbedingungen werden immer mehr Strecken aus unserem Nachbarland nach Weeze verlegt. Weitere Fluggesellschaften dürften folgen, sobald Rechtssicherheit herrscht (Näheres dazu im Forum, in der "Presseschau" und unter "News").
Ein weiterer wichtiger Stützpfeiler des Flughafens Weeze ist die inzwischen überaus erfolgreiche Ansiedlung mehr oder weniger "flughafenaffiner" Betriebe auf dem Airport-Gelände. Viele der lange leer stehenden Gebäude aus Zeiten der Royal Air Force sind inzwischen renoviert und wieder in Nutzung. Die Gewerbeansiedlung ist eine Erfolgsgeschichte des Flughafens, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt geblieben ist, inzwischen aber wesentlich zum Gesamtergebnis des Projektes beiträgt.
Weitere Links zur Geschichte des Flughafens Weeze:
Eine schöne Zusammenfassung der Geschichte der RAF Laarbruch, reich
bebildert und kommentiert, findet sich auf der Website unserer
niederländischen Partner:
Niederrhein Aviation Society
Die Geschichte der RAF Laarbruch wird künftig in einem Museum auf dem
Airportgelände dokumentiert. Die Website des Museums findet sich hier:
Royal Air Force Museum
Laarbruch - Weeze